Münster – Was haben Münster und die Hebriden derzeit gemeinsam? An beiden Orten ist es kalt und windig, dauernd fällt Regen. Dieses Klima wird in Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre „Die Hebriden“ spürbar, die der junge Komponist einst als Urlaubsgruß verschickte. Fahl und unwirklich der Beginn, bevor es freundlicher wird, später gar Helden aus dem keltischen „Fingal-Epos“ vorüberziehen. Genau das Richtige zur Eröffnung des Konzertes mit dem Studentenorchester in der Aasee-Aula, das unter dem Motto „Naturlaute“ stand.

Dirigent Cornelius During entwickelte orchestrale Spannung vom ersten Takt an, eine Spannung, die sich mühelos aufs Publikum übertrug. Vor allem gelang ihm die notwendige rhythmische Feinarbeit, ohne die das Werk schlicht auseinandergefallen wäre. Dabei hatten die Akteure alle Hände voll zu tun, bis hin zu den Kontrabässen, die mitunter bliesen wie ein Orkan draußen vor den Hebriden.

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Im Foyer der Aula waren großformatige Landschaftspanoramen ausgestellt, fotografiert von Orchestermitgliedern. Felder, Wiesen und Auen sozusagen. Auch Ährengold. All dies fand sich in Gustav Mahlers „Titan“ wieder, seiner ersten Sinfonie. Nachgerade ein Achttausender. Ihn zu bezwingen, erfordert Mut und echtes Können. Wer hätte gedacht, dass Cornelius During und das Studentenorchester diesen Giganten so grandios bezwingen würden? Haben sie aber. Dank äußerst vorzüglicher Holz- und Blechbläser, dank ausgeprägt feiner Streicherkultur, nicht zuletzt auch hier wieder rhythmischer Akkuratesse im Zusammenspiel. So schillerte und leuchtete es auf der einen Seite, auf der anderen zogen, etwa im „Frère Jacques“-Zitat in Moll-Version, düstere Wolken herauf. Die ganze Bandbreite dessen, was man der Natur an Klang ablauschen kann. Damit präsentierte das Orchester wieder mal ein Meisterstück.

Christoph Schulte im Walde, Westfälische Nachrichten , Donnerstag, 01. Februar 2018